Geschichte live in Argentinien

Mitte Februar kam mein persönlicher Gipfel südamerikanischer Erkenntnis – Zita und ich waren zusammen mit 20 anderen Freiwilligen von Don Bosco in Buenos Aires, um unseren Freiwilligendienst zu reflektieren. Das wirkliche Highlight aber lag außerhalb des Seminarzentrums.

Es hat sehr gut getan, sich mit Leuten in der genau gleichen Position auszutauschen, die genau die gleichen Probleme hatten – und ich sage mit etwas Stolz – größtenteils mehr Probleme hatten als wir zwei in Cali. Dazu kam die wirklich schöne Stadtkulisse. Buenos Aires war einer der Haupthäfen am Amerikanischen Atlantik und bildet über den Río Plata der Eingang zu mehreren Ländern. So konnte es schnell Reichtum aufbauen, und hat sich zu einer der schönsten Städte des Kontinents entwickelt.

Die Don-Bosco-Freiwilligen während sie durch das linke Protestcamp gegen Macri laufen
Die Don-Bosco-Freiwilligen während sie durch das linke Protestcamp gegen Macri laufen

Das Faszinierendste aber war die politische Lage, die ich zu dem Zeitpunkt erstmals verstanden hatte. Argentinien, ein traditionell nicht so demokratisches Land, erlebt nach der Präsidentschaftswahl gerade den Umbruch von Links zu Rechts. Von einer Präsidentin Kirchner, deren größte Qualifikation zu sein schien, dass ihr Mann davor auch schon Präsident gewesen war, zu einem Präsident Macri, dessen Kabinett rein aus Unternehmern und potenziellen Interessenkonflikten besteht. Und wir Freiwilligen mit dabei! Wir waren sogar zu Besuch im Protestcamp vor dem Präsidentenpalast. Die Freiwilligen, die in Argentinien zum Einsatz sind, haben mir noch dazu ihre Eindrücke von vor Ort geben können.

Nicht zuletzt auf meiner Sightseeingliste stand das “Kulturzentrum Kirchner”, ein palastartiges Etwas aus der linken Ära, das das Erbe der Präsidentenfamilie sein sollte. Sehr unglücklicherweise hat das Macri nun quasi dichtgemacht. Es geht rund, und der linken Kirchner wird sogar der Prozess gemacht; wegen Untreue.

Centro Cultural Néstor Kirchner, Buenos Aires
Das Centro Cultural, das in Gedenken an den verstorbenen Präsidenten Néstor Kirchner benannt wurde.

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