Erste Eindrücke aus Cali

Cali ist eine Metropole im Regenwald. Es ist warm, erst seit Beginn der Regenzeit haben die Waldbrände aufgehört. Es ist laut, andauernd Sirenen, Sonntags hält die Kirche nebenan gefühlt fünfstündige Messen. Als Dorfkind bestaune ich, dass die Läden Sonntags bis neun am Abend geöffnet haben. Der Verkehr ist SEHR anders. Ich mag es aber, hier zu leben. Ich wohne zusammen mit Zita, einer Abiturientin aus Hessen, die das gleiche macht.
Es ist schön, abends unterwegs zu sein (wenn man es auch klimatisch aushält) – allerdings kann man sich nicht frei bewegen. In einsamen Straßen sind Straßendiebe unterwegs, wie ich leider erleben musste.
Mir wurde mein Handy geraubt, als ich gerade zum Bus unterwegs war. Da kamen zwei, kaum älter als ich, und gaben den einfachen Befehl “Gib mir dein Handy”. Ich war gut vorgewarnt gewesen und wusste, dass man einfach alles hergibt, dann passiert nichts. Ist es auch nicht, ich fühle mich nur im Nachhinein dumm.

In den “Herbst”ferien bin ich mit ein paar Leuten meiner NGO verreist. Wir waren zuerst in Bogotá – eine viel schönere Großstadt als Cali, kalt. Wir sind in der Altstadt geblieben und auf den stadteigenen Berg gestiegen.
Im Weiteren sind wir an die Karibikküste geflogen – das Schönste, was ich von Kolumbien bis jetzt gesehen habe. Der Regenwald ist herrlich, besonders wenn man ihn durch einen Fluss erkundet, wie wir beim Canyoning. Die Touren durch die Nationalparks sind sehr eindrucksvoll. Außerdem waren wir beim Public Viewing, als Kolumbien gespielt hat – die Kolumbianer sind Fußballfanatiker.

Was ich über Kolumbien gelernt habe

Es ist natürlich ein Entwicklungsland (Human Development Index 0,71; Deutschland 0,91). In Aguablanca lebt man in eilig gebauten Baracken mit Betonboden, teils unbefestigten Straßen und oft mit Wasserausfall. Auch wir sind davon betroffen; ich weiß jetzt, wie man mit zweieinhalb Litern aus einem Kanister duscht!
Aber es gibt auch die andere Seite. Nicht nur Straßenkriminalität, auch abgeschirmte Wohneinheiten mit Wassertank, Pool und eigenem Fitnesscenter. Wir hatten die Gelegenheit, Fincas zu sehen, deren Whirlpool größer ist, als das Haus der Angestellten, die auf dem Grundstück leben.
Es ist also nicht, dass es in Kolumbien nichts geben würde – im Gegenteil, die Malls hier sind größer als alles, was ich zuvor gesehen habe – aber es ist ungleich verteilt. Auf einer Ungleichheits-Skala von 0 bis 1 steht Kolumbien bei 0,56 (Deutschland 0,28).

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