Weihnachten in der Familie – in beiden

Weihnachten a la católica

Meine Familie hatte ein Riesenglück, als sie Mitte Dezember zu Besuch kam – sie kamen mitten in der Weihnachtszeit in einem der christlichsten Länder der Welt an.
Kolumbianischer Brauch ist es, die neun Tage vor Weihnachten Familienfeste zu feiern. Diese “Novenas” organisiert immer ein anderer Haushalt aus dem großen Clan; durch die vielen Tage schafft man es, zu jedem noch so unwichtigen Cousin zu Besuch zu gehen. Ich als deutscher Exot im gastfreundlichsten Land der Welt hatte das Glück, zu sieben von neun Novenas eingeladen zu werden; zu dreien habe ich Mama und Papa natürlich mitgeschleppt. So feierte ich Weihnachten sowohl in meiner Familie, als auch mit meiner kolumbianischen Gastfamilie, in die ich mittlereweile gut reingewachsen bin.

Die Feier beginnt üblicherweise abends mit einer kleinen Familienandacht. Die Dame des Hauses beginnt zu sprechen, und reihum reicht sie ein vorgefertigtes Gebetbuch herum (meine Mutter hat mit einem besonders schwierigen Text beeindruckend ihre Spanischkenntnisse aus drei Monaten VHS demonstriert). Danach gibt es ein traditionelles Weihnachtsessen mit viel Karamell, und den Abend über wird gemütlich gequatscht.
Diese Tradition ist in fast allen Familien tief verankert; es geht meiner Meinung nach mittlerweile auch weniger ums Beten als um ein gemeinsames Beisammensein. Das demonstrieren die tausenden Expat-Kolumbianer, die über Weihnachten nach Hause fliegen, sowie die Tatsache, dass jedes größere Einkaufszentrum sein eigenes Novena-Gebetheftchen druckt.

Kaffeetour und unberührte Strände

Nach den Weihnachtsfestlichkeiten bin ich mit meinen Eltern und meinem Bruder auf große Kolumbienreise aufgebrochen.
Zuerst waren wir in der berühmten Kaffeezone, die sich über die höher gelegenen Teile des Landes erstreckt. Wir flohen in schwarzwaldähnliches Klima und ein wunderschönes Tal voller Wachspalmen. Die Wachspalme ist Nationalsymbol Kolumbiens (Pech nur, dass es sie nur noch in diesem Tälchen gibt). Es handelt sich um eine dürre und kerzengerade Palme, die in Gruppen einen Wald über dem Wald bilden kann. Die meisten stehen mittlerweile aber frei in Weideflächen, und formen dabei eine bizarr schöne Landschaft in den Anden.

Von der Kaffeezone aus sind wir an den Pazifik geflogen; mit einer Kleinstmaschine (da will sonst auch niemand hin). Der Pazifik ist traditionell die ärmste Region Kolumbiens. Er wird vor allem von den Nachfahren von Sklaven bewohnt, und ist das am schlechtesten entwickelte Gebiet; daher ist es touristisch fast unberührt. In unserem Südstaaten-Holzhotel waren nur drei weitere Gäste untergebracht, mit denen wir uns kurzerhand verschworen.
Im Dorf gibt es nichts, also sind wir eigentlich permanent mit einem Speedboat an der Küste entlang gedüst. Der einheimische Kapitän hat uns die schönsten Buchten und Inseln gezeigt; darunter eine, die wie in “Fluch der Karibik” aussieht, und nichts als ein Restaurant beherbergt. Wir haben ebenso den Mangrovenwald betrachtet, uns in der Sonne die Ohren verbrannt sowie beim Baden einige Fische gesehen.
Da es im Dorf nichts gibt, haben wir auch das unspektakulärste Silvester überhaupt verbracht. Niemand, inklusive des Hotels, bot ein Abendessen an, weswegen unsere kleine Gruppe selbst kochen musste – und da das Gemüseboot noch nicht angekommen war, gab es auch nichts als Spaghetti mit Sahne- und Specksoße. Um Mitternacht begaben wir uns dann an einen zentralen Ort im Dorf, wo wir vergeblich auf Feuerwerk warteten – es ist in Kolumbien nämlich verboten. Um zwölf kam die Auflösung, wieso auch auf der Straße nichts los gewesen war – alle quollen aus der Kirche. Und von dort aus nach Hause.

Wenn ihr euch mehr für das Entwicklungsphänomen Paciífico interessiert, empfehle ich euch den authentischen Artikel von Zita – Tumaco, das Venedig des Pazifiks. (Wir haben zusammen ein Ärzteteam in die unterversorgte Drogenhauptstadt Kolumbiens begleitet)
Zu guter Letzt begab sich die Familie Feil in die Industriemetropole Medellín, die auch nichts so besonderes ist; im exzellenten Aquarium/Vivarium jedoch sah ich die Tiere, die mir bald darauf aus dem Urwald entgegenglubschen würden.