Umschauen in Aguablanca

Nach den Prozeduren des Schuljahresendes habe ich mein Praktikum im Centro Don Bosco, Aguablanca angetreten. Da wir Freiwillige viele Ferien haben, absolvieren wir zwei Wochen Praktikumszeit in anderen Projekten. Für mich war es ein weiterer Einblick in das Feld der NGOs von Cali.

Don Bosco ist der weltweit agierende ausführende Arm des Salesianerordens. Letzterer wurde vor 200 Jahren vom italienischen Priester Don Bosco gegründet. Seine Mission war es, den Kindern der Straße zu helfen. Zita und ich kennen die Organisation seit unserem Vorbereitungsseminar mit den “Don Bosco Volunteers” und verstehen uns ziemlich gut mit ihrer aktuellen Freiwilligen in Cali (ich habe Louisas Blog unter Links verlinkt).
Wir haben dort eine Woche lang die Kinderbetreuung begleitet, die von vier Pädagogen vormittags wie nachmittags angeboten wird. Eine weitere Kuriosität: Die Staatsschulen in Aguablanca operieren in zwei Schichten, weswegen einige Kinder vormittags frei haben.
Die Kinder sind ja schon knuffig; sie wollten einfach mit uns Verstecken spielen. Ein Junge nahm mich sofort bei der Hand, um mich zu verstecken; dann wurde runtergezählt, um die Ecke gespäht; und Kinder schwitzen ja auch nicht, also all das auch in der Mittagshitze. Nachdem ich mich beim Basketballspielen blamieren durfte (dennoch gewann meine Mannschaft gegen Zitas!), habe ich den Kindern ein paar Kartenspiele beigebracht. Zuvor mussten jedoch alle zum Pausenbrot anrücken. Don Bosco in Cali ist ein riesiges Zentrum, es erreicht 3000 Schüler. Doch das riesigste von allem ist eindeutig die Küche. Weil die Pater sich um die Unterernährung einiger ihrer Schützlinge sorgen, wird eigentlich permanent gegessen. Zum Frühstück gibt’s ein kräftiges Getränk dazu, das den passenden Namen “Kalorien” trägt.

Als ich die Schüler etwas besser kennen gelernt hatte, bildete sich bei mir auch ein besseres Bild von der Kindheit in Aguablanca. Einer, der sich besonders gerne an mich geklammert hat, hat zum Beispiel einen aggressiven Vater. In der Folge wechselt er zwischen liebem Spielkind und aggressivem Rabauken, der am liebsten die anderen Jungs schlägt. Einem anderen haben die Eltern verboten, zu lesen, weil der Vater dies selbst nicht kann. Und als einer zur Feier des Schuljahresendes einen Film mitbringen durfte, handelte es sich um einen wilden Mix aus Afrika-Doku und Kriegsfilm, in dem andauernd ein anderer Diktator abgeballert wurde. Diese Kinder können meiner Meinung nach wenig dafür, dass sie in der Schule oft versagen. Wie auch die vor Ort wohnende Louisa bestätigt, hat ein Lehrer einfach kaum Möglichkeiten, wenn seine Schüler von zuhause nicht gefördert werden.